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29.10.2018

Schlosspark Theater: Jede Menge Theater!

Das Schlosspark Theater überzeugt seit Jahren mit einem ebenso unterhaltsamen wie kulturell wertvollen Programm, angesiedelt zwischen der Komödie und dem großen Drama. Dieter Hallervorden steht nun als Intendant vor seiner 10. Saison und hat auf einer großen Pressekonferenz das Programm für die kommenden Monate vorgestellt.

Der große Coup: Das Schlosspark Theater führt das Stück „Der Stellvertreter“ auf – Premiere ist am 8. September gewesen. Das sperrige Stück von Rolf Hochhuth um Papst Pius XII. und seine Rolle in der Nazizeit braucht eigentlich über 40 Schauspieler und mehrere Stunden auf der Bühne. Regisseur Philip Tiedemann: „Man kann den Stoff auf schlaue Weise verdichten. Wir haben es geschafft, fünf Stunden auf 92 Minuten herunterzubrechen. Wir verbinden große Spielfreude mit einer großen Ernsthaftigkeit, denn die Aktualität dieses Stücks hat sich in unserer Zeit noch einmal deutlich verschärft. Außerdem gilt dies: Es gibt nicht mehr so viele tolle Rollen für die Theaterbühne. Bei den Proben war deswegen jeder Tag für uns ein Fest.“

Die Hauptrolle wird Georg Preusse übernehmen, den viele noch als Mary aus dem Travestie-Duo Mary & Gordy kennen: „Ich habe lange nichts mehr auf der Bühne gemacht, und wollte das auch eigentlich gar nicht mehr. Ich habe mich von Dieter Hallervorden überreden lassen. Dabei habe ich versucht, der Rolle ein bisschen Menschlichkeit abzutrotzen.“

Dieter Hallervorden: „Meine Wurzeln liegen in der politischen Satire. Ich beziehe gerne Stellung, gebe meine Meinung kund, zeige Fahne! Zu Zeiten, in denen AfD-Politiker unverblümt ihre dunkelbraunen Reden schwingen, ist es für ein heutiges Theater geradezu eine Selbstverständlichkeit, zu zeigen, wohin solche Hetztiraden, solch eine rechtsradikale ‚Alternative‘ schon mal geführt haben.“

Weiter geht es im Schlosspark Theater mit „Der letzte Raucher“ von Mark Kuntz in einer Bühnenfassung von Kai-Uwe Holsten – Premiere ist hier am 22. September in der Champagnerhalle. Regie führt Irene Christ. In dem Stück für eine einzelne Person geht es um einen Partygast, der zum Rauchen auf den Balkon geschickt – und dort vergessen wird. Während die Partygemeinschaft weitergezogen ist, bleibt der Raucher zurück und sinniert bei einer Zigarette über das Leben – und darüber, als Raucher einer bedrohten Art anzugehören.

Johannes Hallervorden spielt in dem Stück seine erste Hauptrolle. Dieter Hallervorden berichtet: „Es gab hier schon einige Testvorstellungen in der Provinz – also etwa in Hannover. Noch nie hatte ich so viel Lampenfieber wie beim Auftritt meines Sohnes. Aber er hat es gut gemeistert.“ Zehn Aufführungen sind nun im Schlosspark Theater geplant. Zugleich wird die Champagnerhalle als neue Spielstätte eingeweiht.

„Was zählt, ist die Familie!“ vom Joe DiPietro und in der Regie von Anatol Preissler ist eine Komödie, die am 20. Oktober Premiere hat und 40 Mal gespielt werden soll. In den Hauptrollen sind Anita Kupsch und Dagmar Biener zu sehen. Im Stück geht es um den 29-jährigen Nick, der von seinen beiden Großeltern-Paaren nach Strich und Faden verwöhnt wird. Als er in eine andere Stadt ziehen möchte, um Karriere zu machen, sind die Großmütter entsetzt. Sie hecken einen Plan aus: Der Junge muss mit der schönen Caitlin verkuppelt werden, damit er bleibt. Anita Kupsch: „Ich koche die ganze Zeit und Dagmar spielt die Kupplerin.“

Tatsächlich ist es für viele Fans der Schauspielerin Anita Kupsch („Praxis Bülowbogen“) ein großes Vergnügen, die Schauspielerin einmal wieder auf der Bühne zu sehen. Kupsch: „Alt werden ist Scheiße. Es ist wirklich schwer, gute Rollen zu bekommen. Ich bin sehr froh, für dieses Stück engagiert worden zu sein.“

Dieter Hallervorden: „Anita Kupsch und Dagmar Biener sind auch privat befreundet und waren zusammen auf der Schauspielschule. Es war schon immer ihr Wunsch, einmal zusammen zu spielen. Jetzt klappt dies endlich einmal.“

Und dann auch noch das: Am 1. Dezember hat „Monsieur Claude und seine Töchter“ Premiere im Schlosspark Theater. Die Komödie folgt dem gleichnamigen Kinofilm, als Theaterstück hat dies Stefan Zimmermann umgeschrieben. Brigitte Grothum und Peter Bause sehen sich hier als Eltern von vier schönen Töchtern mit dem Fakt konfrontiert, dass die Mädels sich sehr ungewöhnliche Ehemänner aussuchen – einen Muslim, einen Juden und einen Chinesen. Nur die vierte Tochter macht alles richtig und kommt mit einem französischen Katholiken nach Hause. Aber – er ist schwarz! Der Toleranzrahmen der Eltern ist nun aufgebraucht.

Peter Bause: „Schlimme Bilder u.a. aus Chemnitz sind im Fernsehen zu sehen. Wir zeigen in unserem Stück, wie Integration auch anders funktioniert.“

Am Ende der Konferenz schlägt Dieter Hallervorden deutliche Töne an: „Als Intendant arbeite ich ohne einen Euro Bezahlung. Im Gegenteil: Pro Saison habe ich etwa 100.000 Euro aus meinen privaten Mitteln beigesteuert, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Ich habe unlängst alle kulturpolitischen Sprecher – mit Ausnahme der AfD – aufgesucht und ihnen unsere Kritiken und Minusbilanzen vorgelegt. Wir müssen dem Senat, der den Boulevard nicht fördern möchte, klarmachen, dass viele unserer Stücke nicht zum Boulevard gehören. Wir machen Bildungstheater. Das Schlosspark Theater ist darauf angewiesen, dass wir eine adä­quate Förderung erhalten, denn so kann es nicht weitergehen.“ (Text/Fotos: CS)

Info: Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, 12165 Berlin, Tel.: 030-7895667-100, www.schlosspark-theater.de

Dieser Artikel wurde in „ZEHLENDORF.aktuell“ Ausgabe 54 (9/2018) veröffentlicht.

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