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27.10.2017

Domäne Dahlem: Kramer Zunft & Kurzweyl

Es gibt eine große Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten. In unserer modernen Welt mit Autos, Fernsehern und Essen aus dem Supermarkt haben viele Menschen großen Spaß daran, sich noch einmal ins Mittelalter zu träumen – und wenn auch nur für einen Nachmittag.

Ganz in diesem Sinne wirken Mittelaltermärkte wie Publikumsmagnete. Vor allem die Kinder haben viel Freude an den verkleideten Rittern, Gauklern und Händlern, die ihre Ware auf einem staubigen Markt feilbieten. Viele Erwachsene leben ihren Mittelaltertraum sogar in der Freizeit aus, so dass sie im eigenen historisch inspirierten Gewand über den Markt flanieren.

Am 2. und 3. September war es in der Domäne Dahlem wieder einmal so weit. Die Veranstalter luden unter dem Motto „Kramer Zunft & Kurzweyl“ zu einem mittelalterlichen Markt, der an beiden Tagen von 11 bis 19 Uhr für beste Unterhaltung sorgte.

Auf dem Gelände auf der Domäne Dahlem waren zahlreiche Stände aufgebaut, an denen auf alles Moderne verzichtet wurde. Dachte man sich die Besucher in ihrer Kleidung des 21. Jahrhunderts weg, so hätte man durchaus im Mittelalter sein können – mit umtriebigen Krämern, Hökerern, Orientalen, Quacksalbern, Garköchen und Tavernenwirten. Auf dem Markt konnten die Besucher so einiges entdecken. So etwa einen weitgereisten Händler, der Harze, Balsame und Weihrauch-Brocken im Angebot hatte. Einen Stand, der Tierfelle feilbot.

Einen Kerzenmacher, an dessen Stand die Kinder bunte Kerzen aus dem Wachs „ziehen“ konnten. Und eine „Druckerey“, in der die Kunden eigene Holzdrucke auf Büttenpapier anfertigten. An anderen Ständen wurde mittelalterliche Kleidung angeboten, es gab Trinkbecher aus echten Tierhörnern zu kaufen und auch handgefertigter Schmuck fand neue Besitzer.

„Vernehmet die Kunde vom Wirken unserer Kumpaney! Es sei auch in diesem Jahre Markt gehalten, wie es Brauch war vor mehr denn fünfhundert Jahren. Mehr denn zehn Dutzend Handwerksmeister, weitgereiste Kaufleut, Musici und leider auch manch Gaukler und Narren werdet Ihr dort finden. So seid gespannt, Ihr tugendreichen Frouwen und edlen Recken, welch Schauspiel die Kumpaney Euch zu zeigen hat. Streifet ab all eure Hast und unstet Raserei und lasset Euch entführen in eine fast vergessen Zeit.“

Keine Frage: Wer den Mittelaltermarkt „Kramer Zunft & Kurzweyl“ (www.kzk.de) auf der Domäne Dahlem besucht, tritt ein in eine andere Welt. Bereits am Kassenhäuschen wird nach Talern verlangt, um das „Gaudium“ zu besuchen. Und bei Kindern kommt das Holzschwert als Messlatte zum Einsatz. Wer das Schwertmaß unterschreitet, darf kostenfrei eintreten – auf den Markt, auf dem statt moderner Markenkleidung grob verarbeitetes Leinen an der Tagesordnung ist. Keine Frage: Das Mittelalter von 973 bis 1509 nach Christus – es ist in der Domäne Dahlem neu auferstanden.
Das gilt auch für das alte Handwerk, das sich auf dem Mittelaltermarkt aus allernächster Nähe bestaunen ließ. Denn auch das war ein Aspekt beim Mittelaltermarkt „Kramer Zunft & Kurzweyl“ auf der Domäne Dahlem. An einem Stand konnten die Besucher des Mittelaltermarktes etwa an der Drechsel Platz nehmen, die mit eigener Muskelkraft betrieben wurde. Mit dem passenden Werkzeug in der Hand ließ sich das eingespannte Holz in Form bringen.

Bei den Schmieden mussten sich die Zuschauer allerdings auf eine rein passive Rolle beschränken. Die Schmiede brachten mit dem Blasebalg die Kohle zum Glühen, heizten das Metall auf und brachten es auf dem Amboss mit dem Hammer in Form. Auf diese Weise entstanden geschmiedete Nägel und kleine Schmuckstücke. Für die Zuschauer war nach jeder Darbietung aber auch klar: In diesem Gewerbe braucht man Muskeln wie ein – Schmied.

So ein Gang über den Markt machte Hunger und Durst. Und so lockten viele Händler mit leckeren Speisen. Es gab „Reis und Gemüs Allerley“, „Allerley süße Speis“, Rahmfladen aus dem eigenen Ofen und vieles mehr. Vor allem die weltlichen Getränke, „trefflich gekühlt“, fanden großen Anklang. Der Met floß in Strömen und wer wollte, konnte auch gleich noch ein paar Steingut-Flaschen voll mit der köstlichen alkoholisierten Flüssigkeit einkaufen – für das spätere Nachglühen in den eigenen vier Wänden.

Die Kinder fanden sich vor allem an den Ständen ein, an denen Schwerter, Helebarden und Schilder aus Holz angeboten wurden – eine von den Eltern nicht immer gern gesehene Erweiterung der Kinderzimmerausstattung.

Und die Kinder hatten Freude am „Eierknacker“. Das ist eine etwa sechs Meter lange Holzbahn, auf der vier Holzklötzer stehen. Auf jedem Klotz – ein hartgekochtes Ei. Die Aufgabe für die Kinder (und alle Erwachsenen, die sich trauen) war es, eine schwere Kugel so geschickt zu werfen, das sie genau auf einem Ei landet und es knackt. Für jeden Treffer gab es einen „Jubel“ – und einen kleinen Edelstein. Edelsteine gab es auch beim Mäuseroulette zu gewinnen. Hier konnten die Kinder darauf wetten, in welchem Haus eine kleine Maus wohl verschwinden wird, wenn sie in der Mitte eines Rondells mit lauter Miniaturhäusern am Rand abgesetzt wird.

Auf der Bühne direkt in der Mitte des Marktplatzes gab es allerlei „Kurzweyl“. Der Jongleur Tumalon ließ Dinge durch die Luft fliegen. Die Band „Varius Coloribus“ rockte die Domäne Dahlem mit harten Klängen – und ließ schwarz gekleidete Gothic-Mädchen entrückt über den Marktplatz tanzen.

Ein großes Abenteuer für alle – das Ritterturnier auf dem Turney-Platz. Hoch zu Ross und in fantastischen Rüstungen traten die Herren im Turnier gegeneinander an und ließen die hölzernen Landen an den metallenen Rüstungen zerschellen. Immer um 13, um 15 und um 17 Uhr gab es das Spektakel zu bestaunen.

Nur am Samstag war kurz vor dem Ruf des Nachtwächters und damit dem Ende des Marktes auch der Pestzug unterwegs, um die Toten einzusammeln. So wurde den Besuchern einiges geboten – bis zum nächsten Mal. (Fotos / Text: CS)

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