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28.10.2018

Lichterfelde: Märkische Kleinbahn

Auf dem alten Bahnhof Schönow direkt an der Lichterfelder Goerzallee ist der Verein AG Märkische Kleinbahn e.V. (www.mkb-berlin.de) zu finden. Der Verein hat aus dem Areal ein lebendiges Bahn-Museum gemacht, das von Eisenbahnfreunden regelmäßig besucht werden kann.

Zu den Tagen der offenen Tür am 8. und 9. September erkundeten viele hundert Besucher das Gelände und durften mit dem SKI „Siegfried“ Sonderfahrten auf der Stammbahn bis hin zum Rathaus Steglitz erleben.

Ein großes Problem für den einzigartigen Standort – seit dem 1. Juli fährt die reguläre Goerzbahn nicht mehr. Sie hatte bislang noch den Kunststoffteilehersteller APCB als letzten Kunden an der Goerzallee versorgt, der inzwischen aber seine Materialtransporte über die Straße abwickelt. Nun wird die Strecke der Goerzbahn, die vom Bahnhof Lichterfelde-West am Dahlemer Weg entlang bis zur Endstation Schönow führt, eigentlich nicht mehr benötigt.

Die AG Märkische Kleinbahn hat ihren Lokschuppen und das Gelände des alten Bahnhofs von der RBH Logistics GmbH gemietet, die zur Deutschen Bahn Cargo AG gehört. Dieser Mietvertrag wurde dem Verein unlängst zum Jahresende gekündigt. Vorsorglich, so heißt es, um vorbereitet zu sein, falls die Trasse „entwidmet“ werden sollte. Das könnte das Land Berlin als Besitzerin der Strecke der Goerzbahn, die über öffentliches Straßenland führt, durchaus beschließen. Ist dies das Ende der Märkischen Kleinbahn? Zum Glück steht eine Einigung im Raum.

Was willst du denn später einmal werden? Auf diese Frage gab es für Jungs früher fast nur eine Antwort: Lokomotivführer.

Für alle Kinder und Erwachsenen mit einem Faible für die Bahn gibt es im Süden Berlins einen Ort, der einzigartige Kontaktmöglichkeiten mit den Boliden der Bahngleise ermöglicht. Seit 1981 betreibt der Verein AG Märkische Kleinbahn e.V. (MKB) ein lebendiges Museum auf dem ehemaligen Betriebsgelände vom Bahnhof Schönow, der das Ende der Goerzbahnstrecke markiert. Auf dem weitreichenden Areal finden sich auch heute noch historische Exponate in Form von Lokomotiven, Wagen, Nebenfahrzeugen, technischen Anlagen und baulichen Einrichtungen der Eisenbahn. Im alten Lokschuppen werden umfangreiche Wartungen und Sanierungen durchgeführt, um den weiteren Betrieb der Lokomotiven zu ermöglichen.

Frank Jander (55) ist der 1. Vorsitzende des Vereins, zu dem 16 aktive Mitglieder und etwa 70 Mitglieder aus dem Freundeskreis gehören. Er sagt: „Den Bahnhof Schönow gibt es seit den 20er, 30er Jahren. Das Gesamtkonzept der Anlage ist noch immer erhalten – das ist Geschichte und Eisenbahn zum Anfassen. Wir kümmern uns um den Erhalt des Geländes und um die Instandhaltung der Lokomotiven. Das technische Knowhow ist im Verein vorhanden, nur vereinzelte Arbeiten müssen nach Bahnrecht von entsprechenden Experten durchgeführt werden. Wir sind ein lebendiges Museum und können jeden Samstag ab 11 Uhr kostenfrei und gegen eine freiwillige Spende besucht werden. Wir sind dann vor Ort und erklären gern alle Exponate – als sogenannte Human-Schautafeln. Nur Fahrten finden an diesen Tagen nicht statt.“

Wer einmal eine Draisine steuern oder an Bord historischer Kleinlokotiven mitfahren wollte, konnte an den Tagen der offenen Tür – am 8. und 9. September – auf dem Betriebsgelände vorbeischauen. Für kleines Geld durften die Besucher so etwa an Bord des SKI „Siegfried“ klettern und eine Fahrt über die alte Stammbahn bis hin zum Rathaus Steglitz erleben.

Bahnhofsvorsteher Raul Stoll: „Wir fahren mit dem SKI ‚Siegfried‘ über die alte Stammbahn und direkt am Dahlemer Weg entlang. Die Bahn hat eigentlich immer Vorfahrt, aber an den ungesicherten Bahnübergängen halten wir trotzdem immer an, sodass ein Kollege von uns aussteigen und den Autoverkehr kurz mit einer Fahne anhalten kann. Wir pochen nicht auf unser Vorfahrtsrecht.“

Niklas Pempel ist Rechnungsführer und stellvertretender Betriebsleiter im Verein. Er sagt: „So eine Fahrt mit der Lokomotive über die alte Stammbahn, das ist wie eine Rundfahrt nach dem Motto ‚Berlin von hinten erleben‘. Man sieht die Hinterhöfe der Häuser, bekommt einen neuen Blick auf seine Nachbarschaft und entdeckt sehr viel Grün.“

Der Verein betreibt eine aktive Jugendarbeit und erlaubt es Heranwachsenden, sich auf dem Gelände zu engagieren, um handwerkliches Geschick und technisches Verständnis zu erlernen. Mitunter bekommen die Eisenbahnfreunde sogar Besuch. Frank Jander: „Im letzten Jahr hatten wir so etwa Besuch von einem Dampfzug aus Schöneweide. Leider dürfen wir mit unseren Lokomotiven nicht auf die großen Bahngleise und müssen auf der Goerzbahnstrecke bleiben. Aber es passiert recht häufig, dass uns andere Vereine mit ihren Eisenbahnen besuchen, ein paar Stunden bleiben, mit uns etwas essen und dann weiterfahren.“

Leider war die weitere Existenz des Geländes bis kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe bedroht. Noch auf den Tagen der offenen Tür, die von über tausend Besuchern wahrgenommen wurden, hat der Verein Unterschriften gesammelt. Und dabei erklärt: „Der Güterverkehr auf der Goerzbahn ist zurzeit eingestellt. Die bisherige Betreiberin der Bahn, die DB-Tochtergesellschaft ‚RBH Logistics GmbH‘, will sich zum 31. Dezember 2018 völlig aus dem Geschäftsbereich ‚Goerzbahn‘ zurückziehen und hat sämliche Verträge mit ihren örtlichen Partnern gekündigt. Das gilt auch für den Mietvertrag mit der AG Märkische Kleinbahn und dem dazu geschlossenen Mitbenutzervertrag, der es der MKB gestattet, eigenverantwortlichen Eisenbahnbetrieb auf der Anschlussbahn durchzuführen. Das könnte im ungünstigsten Fall dazu führen, dass das Museum der MKB geschlossen und das Gelände durch uns geräumt werden müsste.“

So weit wird es nun aber doch nicht kommen. Inzwischen heißt es auf der Homepage des Vereins: „Unsere Unterschriften-Aktion wird beendet. Der Grund ist erfreulich: Wir konnten am 10. September 2018 in Verhandlungen mit DB und Politik erreichen, dass die Goerzbahn erhalten bleiben soll und die MKB auf der Anschlussbahn weiter ihrer Arbeit nachgehen kann.“ Martin von der Veer von der MKB erläutert: „Es gibt eine Absichtserklärung. Und: Die RBH wird der MKB zum 1. Januar 2019 die Betriebsführung übertragen.“ (Text/Fotos: CS)

Info: AG Märkische Kleinbahn e.V., Goerz­allee 313-315, 14167 Berlin-Lichterfelde, www.mkb-berlin.de

Dieser Artikel wurde in „ZEHLENDORF.aktuell“ Ausgabe 54 (9/2018) veröffentlicht.

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