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24.04.2018

Beim Heimatverein Zehlendorf

Geschäftig laufen die Menschen an dem kleinen Häuschen gleich neben der Friedenseiche in Zehlendorf-Mitte vorbei, wenn sie von der Clayallee kommen und in die Potsdamer Straße abbiegen oder zum Teltower Damm weiterlaufen möchten. Noch immer viel zu wenig Zehlendorfer wissen, dass hier der Heimatverein Zehlendorf e.V. anzutreffen ist.

Der Verein betreibt die Räume im alten Schulhaus von 1828 und sammelt hier zahllose Ausstellungsstücke, die dabei helfen, die Vergangenheit des Bezirks zu dokumentieren und erlebbar zu machen.

Der Heimatverein hat etwa 300 Mitglieder, die zurzeit 31 Euro im Jahr bezahlen. Die gesamte Arbeit vor Ort wird durch etwa ein Dutzend ehrenamtlicher Mitarbeiter gestemmt. Das Amt übernimmt die Miete für das Objekt, fördert die Sonderausstellungen und kümmert sich um anstehende Reparaturen.

Matthias Aettner (63) ist der 1. Vorsitzende des Vereins – der erste übrigens, der nebenbei noch einen Beruf ausübt, er ist Religionslehrer an verschiedenen Schulen im Bezirk. Er sagt: „Wir zeigen in unseren Ausstellungsräumen die Geschichte des Ortes bis zur Kaiserzeit. Das Interesse der Zehlendorfer ist zum Glück sehr groß. Im letzten Jahr haben uns 4.300 Menschen besucht, das waren schon wieder 200 mehr als im Jahr zuvor. Viele Schulklassen unternehmen Ausflüge zu uns und erhalten vor Ort eine historische Führung. Gern würden wir in Zukunft auch zahlreiche Exponate aus den letzten 100 Jahren der Geschichte Zehlendorfs zeigen. Aber wir sind räumlich sehr beengt und haben einen Teil des Lagers sogar schon in unbenutzte Räume der Süd-Grundschule ausgelagert. Damit wir trotzdem ab und zu Zeitzeugen aus der jüngeren Vergangenheit zeigen können, haben wir Mitte März unsere erste Depot-Ausstellung eröffnet.“

Diese Depot-Ausstellung heißt „Ins Licht gerückt“. Bis zum 29. Juni werden nun in einem Raum Sammlerstücke gezeigt, die zeitlich gesehen vom Ende des Ersten Weltkrieges bis in die 1960er Jahre hinein reichen. Matthias Aettner: „Wir zeigen u.a. einen Figurensatz, der rund hundert Jahre alt ist und der deutsche Soldaten mit Gewehren als Miniaturen in die Kinderzimmer gebracht hat. Erstaunlich ist dabei, dass auch Rot-Kreuz-Schwestern und Sanitäter mit dazugehören, die sich um verwundete Soldaten kümmern.“

Zu sehen ist in der Depot-Ausstellung auch ein Volksempfänger als wohl wichtigstes Propaganda-Mittel des Nationalsozialismus. Aus der Zeit nach dem Krieg sind viele originale Care-Pakete der Amerikaner zu bestaunen. Diese Pakete, von den Bürgern der USA gespendet und über die Berliner Luftbrücke verschickt, halfen damals den in West-Berlin eingeschlossenen Deutschen, den Hunger zu bekämpfen. Kartons mit Haferflocken, dazu Nudeln, Trockenmilch und Dosenfleisch: „Donated by the people of the United States of America“ heißt es da.

Interessant ist auch ein aufgebauter Schreibtisch. Auf dem steht ein Schuhkarton mit zahlreichen Fotoabzügen. Daneben liegen ein Notizblock und Stifte bereit. Matthias Aettner: „Vielleicht erkennt ja ein Besucher eine Person auf einem der Fotos wieder oder kann andere Hinweise geben, um die historischen Bilder in einen Kontext zu stellen. Dann kann diese Person die Informationen gleich niederschreiben und auf diese Weise dabei helfen, Licht ins Dunkel der Geschichte zu bringen.“

Die Depot-Ausstellung ist kostenfrei zu besichtigen. Das Heimatmuseum hat immer Montag und Donnerstag von 10 bis 18 Uhr und Dienstag und Freitag von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Matthias Aettner: „Wir denken darüber nach, das Museum auch an einem Sonntag im Monat zu öffnen. Wir hatten am Tag des offenen Denkmals sonntags geöffnet und konnten spontan 100 Besucher begrüßen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Zehlendorfer gern einen Sonntagsspaziergang mit einem Museumsbesuch verknüpfen würden.“

Jürgen Thonert (73) ist seit 42 Jahren Mitglied im Heimatverein Zehlendorf. Er sagt: „Wir gehen davon aus, dass in den Kellern und auf den Dachböden der Zehlendorfer noch viele andere Gegenstände verborgen sind, die dabei helfen, die Geschichte Zehlendorfs zu erzählen. Wer beim Aufräumen über solche Zeitzeugen stolpert, ist herzlich eingeladen, uns zu kontaktieren. Vielleicht können wir die Gegenstände ja gebrauchen.“

Wer sich für Zehlendorf und seine Historie interessiert, sollte sich das Zehlendorf-Jahrbuch besorgen, das vor Ort zu haben ist. Das edel gestaltete und auf bestem Papier gedruckte Jahrbuch präsentiert seit 22 Jahren für drei Euro „Altes und Neues von Menschen, Landschaften und Bauwerken“. Artikel wie „Zehlendorf und die sogenannte Reichskristallnacht“, „Über den Wintersport in Zehlendorf“ oder „Rundgang durch Albrechts Teerofen“ sorgen für ein tieferes Verständnis über Zehlendorfs Vergangenheit. (Text / Fotos: CS)

Info: Heimatmuseum Zehlendorf, Clayallee 355, 14169 Berlin, www.heimatmuseum-zehlendorf.de

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