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29.10.2018

Die Süd-Grundschule in Zehlendorf

Wenn Journalisten neugierig werden! Ein Termin brachte uns unlängst in die Claszeile in Zehlendorf. Hier ist die Süd-Grundschule (www.süd-grundschule-berlin.de) zu finden, die einige hundert Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse begleitet.

Faszinierend ist ihr zweigeteilter Eingang. Hier gibt es auf der linken Seite ein Tor, das in Stein eingefasst mit „Mädchenschule“ überschrieben ist. Ein steinernes Mädchen sitzt auf einem Podest. Steinerne Rosen fassen das Tor ein. Rechts daneben wiederholt sich das Muster am zweiten Tor. Nur ist es mit „Knabenschule“ betitelt. Ein Junge aus Stein sitzt auf der Ballustrade – und Eichenblätter ranken an der Mauer.

Was hat es wohl mit diesen beiden Eingängen auf sich? Wir finden heraus: Die Schule wurde im Jahr 1914 gebaut, ist also über hundert Jahre alt, und stammt noch aus der Kaiserzeit.

Im „Zehlendorfer Anzeiger“ vom 6. Juni 1914 gibt es einen langen Artikel über die Einweihung der damaligen „Gemeindeschule 2“ in der Wilhelm-Straße, wie sie damals hieß. In diesem Artikel werden die beiden Eingänge der Schule genau beschrieben: Es ging „von ihr nach rechts die Knabenschule mit Turnhalle und nach links die Mädchenschule mit Schulkochküche“ ab. Weiter hießt es: „Vom Mittelkorridor aus gibt es einen Zugang zu gemeinsam zu benutzenden Schulräumen, Zeichensälen, der Gesangsklasse und der Physikklasse.“ Das Schulgebäude war nach 17-monatiger Bauzeit entstanden, die Baukosten wurden mit 840.000 Mark beziffert.

Bürgermeister Dr. Köster hoffte damals, die Schule möge „ein Hort echter Gottesfurcht, Königsliebe und Vaterlandstreue“ sein.

Die Festschrift der Schule aus dem Jahre 1989 zu „75 Jahre Südschule“ begleitet die Schule durch die Jahrzehnte. So heißt es zum 1. Weltkrieg: „Bereits wenige Wochen nach Ausbruch des 1. Weltkrieges mussten Lehrer und Schüler ihre neue Schule räumen, da sie für Militärzwecke beschlagnahmt und bis Kriegsende 1918 als Kaserne benutzt wurde.“ In der damals geführten Schulchronik steht: „Vorübergehend diente das 2. Stockwerk zur Unterbringung ostpreußischer Flüchtlinge. Eine starke Verlausung und Verwanzung war die Folge.“

Zum Thema „Schule unterm Hakenkreuz“ steht in der Festschrift: „Am 5. September 1934 wurde die Lehrerschaft auf Adolf Hitler vereidigt. Zwar gelang es dem Rektor, in der Schule für eine eher ruhige Arbeit zu sorgen, aber der Geist der Zeit sei auch an der Südschule zu spüren gewesen: Einige Lehrer und Lehrerinnen passten sich dem neuen System unverzüglich an, worunter auch manch Schüler zu leiden hatte.“

Man kann gar nicht mehr aufhören, in der Chronik zu lesen. Über das Ende des 2. Weltkrieges heißt es da: „Ein Jahr später setzten die Evakuierungsmaßnahmen für Frauen und Kinder ein, und ab August 1943 war kein ordnungsgemäßer Unterricht mehr möglich. Mit den einsetzenden Bombenangriffen auf die Stadt wurden Notunterkünfte für Obdachlose benötigt, und wie schon rund 25 Jahre zuvor, bot das Gebäude der Südschule Asyl.“

Und: „Unmittelbar nach Kriegsende durchlebten das Haus und die hier wohnenden Menschen schwere Wochen. Von russischen Soldaten und Offizieren besetzt, wurden Räume und Inventar stark in Mitleidenschaft gezogen. Die im gegenüberliegenden Erziehungsheim ‚Haus Kinderschutz‘ untergebrachten Mädchen durchlitten fast ausnahmslos den Missbrauch durch die Soldaten, manche von ihnen wählten aus Furcht und Scham den Freitod.“

Von dieser Vergangenheit wissen die aktuell im über hundert Jahre alten Mauernweg lernenden Schüler nichts. Sie hoffen stattdessen auf die dringend nötige Sanierung ihrer Schule. (Text / Fotos: CS)

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