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28.08.2018

Scheibes Kolumne: Wir freuen uns auf den Urlaub!

Endlose Monate habe ich gearbeitet, als ob es keinen Feiertag mehr gibt. Manchmal verschwammen Tag und Nacht im Eifer, nur ja keine neue Geschichte für die Zeitung zu verpassen. Ich war dort, wo es weh tut, dort, wo die Gefahr war, dort, wo ein Reporter mit Herz benötigt wurde.

Nun ist es endlich an der Zeit, zwei, drei Gänge im Getriebe herunterzufahren und eine Auszeit zu nehmen, um Körper und Seele wieder fit zu machen für all das, was nach den Ferien wieder an Arbeit wartet.

Natürlich habe ich rechtzeitig eine Liste erstellt mit all den Sachen, die vor dem Urlaub noch ganz dringend erledigt werden müssen. Die Liste ist eine ganze Seite lang. Und am Tag vor dem Urlaubsantritt habe ich ja auch schon einen Posten von der Liste streichen können. Das letzte Rasenmähen vor dem Urlaub ist es nicht, das könnt ihr mir glauben. Draußen glimmt die Sonne der Sahara und bei gefühlten 300 Grad Celsius ist es selbst in der Hölle kühler.

Wahrscheinlich würde mein gelb angelaufener Rasen angesichts des Rasenmähermessers zu Staub zerfallen.

Dafür habe ich endlich meine Badehose wiedergefunden. Sie lag im Büro zwischen den Golfschlägern und der Clever&Smart-Comicsammlung. Leider hat die Elastizität des Zugbandes seit dem letzten Einsatz zu einhundert Prozent an Flexibilität verloren. Kurzum: Sie lässt sich nicht mehr festzurren. Am Strand würde ich im Nullkommanichts als Exhibitionist dastehen. Baden fällt also aus. Wer möchte seine Badehose schon in den Kniekehlen tragen?

Ohne meine Brille sehe ich nichts. Im sonnigen Süden brauche ich deswegen eine Sonnenbrille mit meinen Dioptrien-Werten. Die Sonnenbrille, die ich mir vor zehn Jahren einmal habe anfertigen lassen, sieht immer noch gut aus. Nur – wenn ich durchschaue, dann sehe ich alles etwas verschwommen. So, als ob ich ohne 3D-Brille in einem 3D-Film wäre. Anscheinend hat sich meine Sehleistung in den letzten zehn Jahren doch entschieden verschlechtert. Egal, für eine grobe Orientierung wird es schon reichen.

Heute habe ich, einen Tag vor dem Abflug, noch einmal einen Freund besucht. Schluchzend lag er mir in den Armen. Ach, er würde so gern mitkommen in den Urlaub. Er hat es auch so bitter nötig. Und während er seine Tränen an meinen Wangen trocknet, stöhnt er: „Vor allem, weil es mir heute den ganzen Tag schon so extrem schlecht geht. Fieber, Schüttelfrost und diese exorbitante Übelkeit.“ Ich vergrößere den Abstand, höre aber ganz leise ein Rudel fieser Viren kichern.

Dann ruft das Reisebüro an. Die Fluggesellschaft habe einen Flug gecancelt, wir müssten nun an einem anderen Tag fliegen. Über einen anderen Flughafen. Aber immerhin ans gleiche Ziel. Es sei denn, am Flughafen wird gestreikt. Ob es uns möglich sei, in diesem Fall ganz spontan mit der Bahn nach München zu fahren, um den Anschlussflieger zu erwischen. Na, es wird schon gut gehen. Es geht doch immer gut. Meistens. Oft. Naja, in diesem Sommer sei viel durcheinander bei den Fluggesellschaften. Wegen der Air-Berlin-Pleite.

Dann hab ich ja noch Zeit, Dollar zu tauschen. Die Banken in meinem Ort winken ab. Sie haben keine Devisen vorrätig. Also suche ich eine nur auf den Reiseverkehr spezialisierte Bank auf, die mir ohne Murren mein Bargeld in ein gewaltiges Bündel Dollar tauscht – unter den Augen sehr merkwürdiger Gestalten, die vor der Bank stehend zur Rudelbildung neigen. Den zittrigen Gang durch den dunklen Park bis zu meinem Auto überstehe ich aber ohne weitere Vorkommnisse.

Gibt es im Flugzeug etwas zu essen? Einen Bordfilm? Niemand weiß es. Drei Fluggesellschaften sind inzwischen an unserem Flug beteiligt und schieben sich bei Fragen gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Ich kaufe Knabberkekse und lade ein paar Filme aufs iPad. Hoffentlich gibt es wenigstens etwas zu trinken. Ich packe Kleingeld ein.

Und während die letzten Koffer der Familie gepackt werden, denke ich ob der sicherlich wieder ultraengen Flugzeugsitzplätze nur daran: Hoffentlich geht der Kelch einer tiefen Venen-Thrombose auch dieses Mal wieder an mir vorbei. Dafür bemerke ich das Stechen eines aufkeimenden Hexenschusses. Na klar: Der Urlaub kann kommen! (Carsten Scheibe, Foto oben: Tanja M. Marotzke)

Dieser Artikel wurde in „ZEHLENDORF.aktuell“ Ausgabe 52 (7/2018) veröffentlicht.

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