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22.06.2018

Zehlendorf: Klingendes Zehlendigj

Holger Dürbye (76) ist echter Zehlendorfer durch und durch. Seit Generationen wohnt der inzwischen pensionierte Holzbootbauer bereits im Quermatenweg. Seine Nachbarn wissen, was Sache ist, wenn sie aus den Kellerräumen der Dürbyes wieder gurgelnd-melodiöse Klänge vernehmen: Dann spielt Holger Dürbye auf einem seiner selbstgebauten Didgeridoos. (ANZEIGE)

Dabei handelt es sich um das Musikinstrument der australischen Aborigines. Didgeridoos bestehen aus einem hohlen Holzrohr, dem sich mit einer speziellen Atem- und Blastechnik kontinuierlich Melodien entlocken lassen.

Holger Dürbye: „In den Sechzigern habe ich zwar selbst sieben Jahre in Australien gelebt. Die Didgeridoos habe ich aber erst Jahre später beim Bogenschiessen kennengelernt. Als Holzbootbauer und Zimmermann kam ich schnell auf die Idee, mir ein eigenes Didgeridoo zu bauen. Damals habe ich Holunder als Basis genommen, weil dieses Holz schon von Natur aus innen hohl ist. Ich konnte damals aber noch nicht spielen, geschweige denn einen Ton aus den Didgeridoos herauskitzeln. Im Prenzlauer Berg habe ich dann Marc Miethe kennengelernt.

Dem habe ich ein selbstgebautes Didgeridoo aus Rubinien-Holz gezeigt und er sagte: ‚What a nice stick‘. Marc Miethe hat mir dann gezeigt, wie das Instrument überhaupt gespielt wird, sodass ich auch tatsächlich hören kann, was ich da baue. Er hat mich auch auf die Idee gebracht, die Didgeridoos nicht nur für den Eigengebrauch zu fertigen, sondern sie auch zu verkaufen. In den letzten 23 Jahren habe ich etwa 600 Didgeridoos gebaut, vor allem aus heimischen Laubhölzern wie Eiche und Esche, aber auch aus Nadelhölzern. Etwa 50 Didgeridoos besitze ich noch, die sich über den von meinem Freund Winne Zühlke geführten Online-Shop www.zehlendigj.de bestellen lassen. Sie kosten zwischen 215 und 550 Euro pro Stück. Neue Didgeridoos baue ich übrigens nur noch dann, wenn ich ein besonderes Stück Holz bekomme. Etwa von der Thuja, die klingt besonders gut.“

Die Aborigines verwenden für ihre Didgeridoos übrigens Eukalyptus-Rohlinge, die auf natürliche Weise von Termiten ausgehöhlt wurden.

Holger Dürbye: „In meiner Werkstatt säge ich den Holzrohling in zwei Hälften, entferne das Innere mit einem Wood Carver, trockne die beiden Hälften, klammere sie zusammen und verleime sie. Das kann nur ein Fachmann. Anschließend werden die Mundstücke gedrechselt. Jedes Didgeridoo spielt in einer anderen Tonart, es gibt ein tiefes A ebenso wie ein Cis oder ein G. Zum Spielen braucht man keine Noten, sondern nur Fantasie und einen bestimmten Gegendruck der Luft im Rohr, mit dem man dann spielt. Besonders gefragt sind die Didgeridoos übrigens bei Frauen über 50 mit der Atemwegserkrankung Mukoviszidose: Das Spielen löst den Schleim in der Lunge.“ (Text / Fotos: CS)

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