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29.01.2018

Scheibes Kolumne: Alles eine Frage der Hygiene!

Es war auf dem Weg zu einem Golfplatz, als ein Freund von mir noch auf dem Parkplatz zu einem geheimnisvollen Fläschchen griff und sich den Inhalt großzügig über beide Hände kippte. Es roch auf einmal streng im engen Auto – wie nach Desinfektionsmittel. Und genau das war es auch, ein Desinfektionsmittel für die Hände.

Ich fragte meinen Golfpartner, was er denn da tue. Er sagte: „Wir sind im Urlaub, ich muss mir gleich fremde Schläger ausborgen. Und wer weiß, wer die vorher angefasst hat.“

Ich wunderte mich sehr, warum mein Freund in dieser Situation die eigenen Hände desinfiziert – und nicht die Griffflächen der Golfschläger. Inzwischen bemerke ich aber immer häufiger, dass Menschen in meiner Umgebung so regelmäßig und selbstverständlich zur Handdesinfektion greifen wie Ärzte vor dem Gang in den Operationssaal. Viele Frauen haben das Fläschchen auch permanent in der Handtasche mit dabei. Hände desinfizieren als neue Zwangshandlung? So, wie andere Leute stets einen Lippenbalsam mit dabei haben?

Oft höre ich an dieser Stelle: „Überall sind Viren und Bakterien. Die müssen weg.“

Was die Freunde der scharfen Desinfektionsmittel nicht wissen: Sie helfen den bösen Kleinstlebewesen sogar noch mit ihrem Tun.

Denn unser menschlicher Körper ist für Bakterien und Pilze ein laufendes Büffet, ein leckerer Riesen-Donut, ein schmackhaftes Giganto-Sushi.

Auf unserer Haut leben Millionen und Milliarden Bakterien und Pilze. Sie ernähren sich von abgestorbenen Hautzellen und vom fettigen Talg. All diese Mikroorganismen sind für uns harmlos. Sie bilden aber eine eigene Schutzschicht, die sogenannte Hautflora. Sie besetzen jeden freien Millimeter auf der Haut und verhindern so, dass sich fremde „böse“ Bakterien und Pilze einnisten können. Mit ihren Ausscheidungen schaffen sie sogar ein Milieu, in dem andere Bakterien nicht existieren können.

Wer nun ständig seine Hände in Desinfektionsmitteln badet, tötet die treue Gefolgschaft der braven Einzeller – und bietet den fiesen Keimen dieser Welt die Chance, sich im frisch geschaffenen Niemandsland niederzulassen. Nun können sich plötzlich Pilze und Bakterien ausbreiten, die Krankheiten verursachen und die man eigentlich gar nicht so nahe an sich heranlassen möchte.

Mikroorganismen sind überall. Sie schwimmen über unser Auge, stecken im Dreck unter dem Fingernagel, verstecken sich im Ohr und bevölkern in schwindelerregender Zahl unseren Mund. Damit muss man sich erst einmal abfinden: Wir sind nie wirklich alleine. Hätten die kleinen Mikroben Augen, so würden sie jeden unserer Schritte beobachten. So freuen sie sich nur darüber, wenn wir schwitzen und somit neue Nährstoffe ausscheiden, wenn wir uns längere Zeit nicht waschen oder wenn wir fremde Menschen berühren, denn dann kommt es zu einem regen Austausch der Bazillen.

Unser Körper kommt damit klar. Kommt es zu einer Verletzung der Haut, so werden eindringende Bakterien von einem vielschichtigen Verteidigungsring aufgehalten und vernichtet.

Wer noch immer Angst vor den Mikroben hat: Ohne sie könnten wir gar nicht existieren und wären in Sekunden tot. Nach der Endosymbiontentheorie handelt es sich bei den Mitochondrien in unseren Zellen um eingewanderte Einzeller, die nun in Symbiose mit uns leben und unsere Energieversorgung sicherstellen. Das gilt auch für die Photosynthese betreibenden Chloroplasten in den Pflanzen.

Und: In unseren Därmen schwimmen Bakterien, die allein dazu in der Lage sind, bestimmte Nahrungsmittel aufzuschließen, sodass für uns essenzielle Vitamine freigesetzt werden. Ein klinisch sauberer Darm ohne kleine Helferlein wäre demnach unser Ende. Nur, falls jemand auf die unsinnige Idee kommen würde, mit Desinfektionsmittel auch noch zu gurgeln.

Wer übrigens Einschlafprobleme hat, braucht ab sofort nie wieder Schäfchen zu zählen. Er kann sich einfach eine einzelne Bazille auf seiner Nasenspitze vorstellen. Bei optimalen Bedingungen teilt sich dieser Einzeller alle 20 Minuten, sodass aus einem Bakterium zwei werden. Die sich dann wiederum teilen, sodass man mitzählen kann: 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256 … Man sieht auch: Es dauert eh nicht sehr lange, bis „desinfizierte“ Hautstellen wieder neu bevölkert werden. Ein keimfreies Leben gibt es nicht.

Daraus folgt: Hände waschen mit Desinfektionsmitteln, das sollte Ärzten und Krankenschwestern vorbehalten bleiben. Im Alltag reicht es völlig aus, sich gründlich die Hände mit Seife zu waschen. Wer Angst vor bösen Viren und Krankmacher-Bakterien hat, sollte lieber in sein eigenes Immunsystem investieren – viel schlafen, Sport treiben und regelmäßig Ingwer-Tee trinken. (Carsten Scheibe, Foto oben: Tanja M. Marotzke)

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