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13.07.2017

Antiquariat Hennwack in Steglitz – Herr der Bücher

Svenja benötigt ein Fachbuch für ihr Medizinstudium, Peter sucht einen seit Jahren vergriffenen Krimi seines Lieblingsautoren und Anja hofft, ein paar ihr in Erinnerung gebliebene Kinderbücher aus ihrer Jugend wiederzufinden. Egal, wie der Grund für einen Besuch auch beschaffen sein mag: Harald Hentrich kann helfen. Er ist der Herr über 400.000 Bücher, die allesamt im Steglitzer „Antiquariat Hennwack“ ausgestellt sind. (ANZEIGE)

Nach der Meinung des Betreibers handelt es sich dabei um „Berlins größtes Antiquariat“. Das glaubt der Besucher gern: Hier gibt es auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern unfassbar viele Romane, Reiseführer, Sachbücher, alte Zeitschriften und Magazine, Bildbände, Comics und Schallplatten, die für einen kleinen, fairen Preis neue Besitzer finden.

Wer die vielen langgestreckten und über enge Gänge, Türen und Treppen miteinander verbundenen Räume betritt, benötigt fast schon einen Lageplan, um nur ja nicht die Orientierung zu verlieren und um noch vor dem Geschäftsende den Ausgang wiederzufinden.

Stunden vergehen in diesem Bücherlabyrinth wie Minuten – und nicht wenige Besucher schleppen schwer an den Schätzen, die sie aus den Regalen geborgen haben. Uwe Lachmann: „Es gibt so viele alte Bücher, die mir etwas bedeuten, die ich aber irgendwann einmal aus schlechten Gründen weggeworfen oder verschenkt habe. Einige von ihnen habe ich im Antiquariat wiedergefunden. Ich freue mich schon darauf, sie noch einmal zu lesen.“

Die Preise für die Second-Hand-Ware fallen moderat aus. Die meisten Bücher sind direkt im Regal mit Preisen versehen. Wo sie fehlen, kann an der Kasse nachgefragt werden. Die Qualität der Bücher ist dabei erstaunlich gut. Harald Hentrich: „Wir werfen gnadenlos alles weg, was schlecht erhalten ist.“

400.000 Bücher auf über 1.300 Quadratmetern!

Der Weg führt am Ladengeschäft vorbei über einen kleinen Hof – mitten hinein ins Paradies für alle Bücherfreunde: Im „Antiquariat Hennwack“ darf stundenlang gestöbert werden. Hier stehen in endlosen Regalen viele tausend Bücher, darunter auch Kunstbände, Sexratgeber, Lexika, Geschichtsbücher, Krimis, Science-Fiction-Romane, Kinderbücher und Filmführer. Wie ein kleines Kind fühlt man sich in diesem gewaltigen Antiquariat, das auf unzähligen Raummetern unendlich viele Phantastillionen Buchstaben auf erstaunlich gut erhaltenem Papier konserviert.

Wer über 400.000 Bücher präsentiert, muss Ordnung halten. Und genau diese Ordnung existiert im „Antiquariat Hennwack“. Gleich vorn an der Kasse können die Kinder in den Comics schmökern und uralte Micky-Maus-Hefte erstehen, in denen bereits ihre Eltern als Kind gestöbert haben. Dahinter finden sich die Krimis, die Science-Fiction-, die Horror- und die Fantasyromane. Viele Kultbücher sind hier zu finden, die im „normalen“ Buchhandel längst vergriffen sind.

So mancher Besucher, der gezielt wegen eines Politikbandes oder eines Buches mit gesammelten Witzen angereist kam, kann es sich dann aber nicht verkneifen, noch einen Blick „um die Ecke“ zu werfen und das übrige Angebot zu sichten. So stößt man schnell auf eine der wohl größten Sammlungen an erotischen Aufklärungswerken – samt einer Kollektion jahrzehntealter Playboy-, LUI- und Penthouse-Hefte. Sehenswert sind auch die Sammlungen mit Magazinen, die sich in den Regalen stapeln. Vom Spiegel über GEO und National Geographic bis hin zum kultigen DDR-“Magazin“ oder dem roten „Blättchen“ ist hier so mancher Schatz aus der Vergangenheit zu heben.

Damit sich der Besucher nicht in den verschachtelten Räumen verliert, die zusammen leicht die Fläche eines Fußballplatzes ergeben, geben an vielen Säulen und Regalen bedruckte A4-Bögen das Thema vor. Sie weisen auf „Ratgeber Spiel & Hobby“ hin, verweisen auf das Thema „Politik Biografien“ oder führen zum Regal mit den „Geographie“-Büchern.

Harald Hentrich: „Obwohl wir schon eine so große Fläche nutzen können, haben wir noch immer Platzprobleme. Es stehen über 4.000 Kisten auf Halde, die wir noch gar nicht ausgepackt haben. Wir kaufen deswegen zurzeit keine neuen Bücher an und machen nur bei seltenen und wertvollen Werken oder aber bei wissenschaftlichen Nachlässen eine Ausnahme.“

Was die Besucher des Antiquariats nicht wissen: In der ersten Etage geht es noch weiter. Hier sind weitere 80.000 Bücher eingelagert. Diese werden aber ausschließlich über den eigenen Online-Shop vermarktet. Beide „Systeme“ sind nicht miteinander verbandelt: Die „Onliner“ haben keinen Zugriff auf die Bücher im Antiquariat – und die Besucher im Antiquariat nicht auf den Online-Fundus. Harald Hentrich: „Der Umsatz aus beiden Systemen hält sich die Waage. Ich kann aber ganz klar sagen, dass wir unser Antiquariat ohne die Einnahmen aus dem Online-Verkauf nicht würden halten können.“

Inmitten des Bücher-Eldorados treffen die Kunden auch auf eine große Sammlung an Videos, Musik-CDs und -Vinylplatten. Hier findet die Großmutter noch die zu ihrer Jugendzeit angesagten Singles von Peter Alexander, während die jüngeren Generationen sich über das eine oder andere Album von Alan Parsons Project oder den Beatles freuen. Harald Hentrich: „Dass die Vinyl-Schallplatte zurzeit ein Revival erlebt, halte ich für einen Mythos. In den Verkaufszahlen schlägt sich das nicht nieder.“

Die Kundschaft selbst ist jedenfalls bunt gemischt. Es kommen Alte wie Junge, Männer und Frauen, Ossis und Wessis. Auffällig sei höchstens, dass zur Ferienzeit mehr Touristen da seien, unter anderem sogar welche aus Japan, erzählt der Chef, der sein Antiquariat seit 1980 führt und mit seinen Büchern nun schon zehn Jahre lang am Standort in der Albrechtstraße präsent ist. Die Touristen hören von „Berlins größtem Antiquariat“ und würden es wie eine Sehenswürdigkeit besuchen.

Es sei aber nicht so, dass die Berliner vor dem Urlaub bei ihm aufschlagen, um sich mit preiswerter Lektüre für die Liege am Pool einzudecken. Anscheinend ist es doch eher so, dass immer mehr Urlauber anstelle schwerer Bücher lieber den Kindle-Reader mit in den Koffer packen – um der elektronischen Lektüre zu huldigen.

Studenten sind im Antiquariat im Vorteil: Sie erhalten an der Kasse zehn Prozent Rabatt auf ihren gesamten Einkauf – und schleppen aus diesem Grund jedes zehnte Werk kostenfrei aus den Bücherkatakomben in der Albrechtstraße.

Eine Besonderheit im Antiquariat ist sicherlich auch, dass es aufgrund der enormen Menge an Titeln auch ein solides Angebot in jede nur erdenkliche thematische Nische herein gibt. Ob es nun um übersinnliche Phänomene, um Fachbücher der Judaica oder Orientalistik, um Reiseführer in die entlegensten Länder, um Karten, Noten oder um Miniaturbücher geht: Man kann sich fast sicher sein, dass es irgendwo im gewaltigen Fundus ein dazu passendes Regal oder einen Tisch mit ausgestellten Werken gibt.

Nur eins hat Harald Hentrich nicht vor Ort präsent: „Heftromane führen wir nicht“. Wer demnach nach alten John-Sinclair-, Perry-Rhodan- oder Jerry-Cotton-Heftchen sucht, wird in der Albrechtstraße nicht fündig. (Fotos / Text: CS)

Info: Antiquariat Hennwack, Albrechtstraße 111, 12167 Berlin, Tel.: 030-51655109, www.hennwack-berlin.de

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