Anzeigenzeitung für Zehlendorf, Steglitz & Umland - 03322-5008-0 - info@zehlendorfaktuell.de

21.12.2016

Scheibes Kolumne: Der Winter naht – Großalarm!

Es ist immer wieder das gleiche. Im Urlaub steht man am Strand, die glühend heiße Sonne fräst einem kleine Brandblasen auf den Rücken, das Meereswasser umspült die ins Nass getauchten Beine – und wohlig seufzt der Mann: „Ach, hier ist es schön. Für mich könnte es immer Sommer bleiben!“

Unisono nicken die Frauen, um dann aber innezuhalten und sofort zu ergänzen: „Aber auf die Jahreszeiten, auf die könnte ich nicht verzichten. Für mich hat ja auch der Winter etwas!“

Ja, was denn? Die Tage werden so kurz, dass man eigentlich permanent im Dunkeln steht. Auf dem Weg zur Arbeit und auch wieder von der Arbeit zurück. Schnell kommt man sich vor wie ein Vampir, der jeden Kontakt mit der Sonne scheut. Mangels Sonne schrumpfen die Vitamin-D-Vorräte im Körper, der Teint wird madenweiß und die Haut nimmt die Konsistenz eines alten Käsekuchens an, der seit Tagen in der Küche austrocknet.

Derweil wächst die eigene Plauze, weil die ganzen Weihnachtsleckereien vom Gänsebraten bis zum Bratapfel mit Vanillesoße locken – und man die Pfunde so herrlich einfach unter all den Lagen Kleidung verstecken kann, die man braucht, um bei gefühlten Temperaturen von minus 70 Grad nicht den Eindruck zu bekommen, nach Sibirien gereist zu sein.

Winter, das ist ja so schön! Meint ihr das ehrlich, ihr Frauen? Morgens sind die Scheiben der Autos von oben bis unten zugefroren und wir Männer müssen kratzen, Schnee vom Autodach fegen und für klare Sicht sorgen. Klar, derweil sitzt ihr schon im Auto und wärmt euch den Hintern an der Sitzheizung. So kann man es natürlich auch machen. Kennt ihr Klebeeis? Das ist dieser ganz besonders lästige Autofrost, der auch mit dem schärfsten Schaber nicht von der Frontscheibe weichen möchte. Eigentlich müsste doch in der „Höhle der Löwen“ längst jemand einen Flammenwerfer vorgestellt haben, der das Auto in nur einer Sekunde komplett enteisen kann.

Und dann – Spaziergänge! Sind ja sooo schön im Winter. Na klar. Auf der Glatze bleiben die Schneeflocken kleben, unter der Nase bilden sich Eiszapfen, die Lungenentzündung ist nicht fern und im Schnee sieht man es auch nicht, wenn man in Hundedreck tritt, der tretminenartig unter der weißen Decke wartet. Ganz romantisch! Und kaum betritt man wieder warme Gefilde, beschlägt einem die Brille, dass man minutenlang ohne Orientierung darauf wartet, dass die Sicht wiederkehrt.

Aber wir Männer ahnen schon, was für Frauen am Schmuddelwetter bei Minusgraden so schön sein soll. Und wir sprechen das grausige Unwort mutig aus – Deko! Jawohl, Winter ist Dekozeit. Das Haus muss geschmückt werden. Ein Adventskranz muss her, Lichterketten müssen aufgehängt werden, Schnickschnack gilt es zu verteilen. Die Aufgabe des Mannes ist es auch hier, die Kiste mit der Weihnachtsdeko aus dem engen Kabuff hervorzuholen, wo sie zuvor hinter den Kisten mit der Osterdeko versteckt wurde. Und dann gilt es auch noch, „freudig“ beim Dekorieren zu helfen. Also ehrlich: Lieber würden wir die Zeit damit verbringen, uns mit einem Hammer auf den kleinen Zeh zu hauen.

Gibt es denn irgendetwas Erfreuliches an der Winterzeit? Weihnachtsmärkte etwa? Oh nein. Auf denen gibt es nur noch mehr Dekokram zu kaufen. Dekokram, den der Mann durch die in den Gängen verkeilte Masse transportieren muss, die aus im Schneckentempo voraneilenden und über die gesamte Gangbreite verteilte Großfamilien, sich innig abschleckenden Frischverliebten oder Müttern mit extrabreiten Kinderwagen besteht.

Da stehen wir also wieder an unserem Strand, genießen die Wärme, die Sonne, die Helligkeit, die erfrischende Briese und die Aussicht auf ein schönes leichtes Essen mit frischem Fisch – und denken über die Jahreszeiten nach. Und ja, sie können uns Männern gestohlen bleiben. Für uns kann es gern immer Sommer bleiben. (Carsten Scheibe, Foto: Tanja M. Marotzke)

Seitenaufrufe: 9

Zum Thema passende Artikel

13.07.2017

Scheibes Kolumne: Angriff der Killerschnecken

Ich habe leider keinen Grünen Daumen. Pflanzen tendieren in meiner Nähe zum selbstgewählten Freitod, ganz egal, wie viel Licht, Wasser und Dünger zur Verfügung steht. Ich nehme das längst nicht mehr persönlich. Es ist sicherlich die vegane Rache für meinen Spruch im Biologiestudium, dass Botanik die Lehre vom Tierfutter ist. mehr…

13.07.2017

Nachgefragt #10: Anke Otto

Anke Otto (68) ist Bezirksstadträtin a.D. und Vorsitzende des Vereins Freunde der Domäne Dahlem e.V. Sie sagt über sich: Seit über 30 Jahren wohne ich in Zehlendorf. Als ich zum Studium nach Berlin kam, reizten mich erst einmal das aktive Leben in der Innenstadt und die vielen Angebote an Kultur und politischen Aktivitäten. mehr…

02.07.2017

Nachgefragt #9: Andrea Vee

Andrea „Vee“ (ein liebevolles Überbleibsel / Spitzname aus ihrer Zeit in Schottland), gelernte Fremdsprachenkorrespondentin, ist eigentlich ein Wilmersdorfer „KuDamm-Kind“, entschloss sich aber nach der Geburt ihrer Tochter Ende der 80er Jahre nach Zehlendorf zu ziehen, um ihr Kind in diesem schönen Bezirk aufwachsen zu sehen. mehr…

30.05.2017

Scheibes Kolumne: Es kribbelt in der Nase …

Fröhlich tanze ich durch den Winter. Bei Schneegriesel, Minustemperaturen und frostigem Wind wird allenfalls die Nase rot. Grippale Infekte meiden mich aber wie die Pest: Die Atemwege bleiben frei. Ganz anders sieht der Fall aus, wenn die Temperaturen steigen und die Natur wieder erwacht. mehr…

30.05.2017

Nachgefragt #8: Birgit Jordan

Birgit Jordan ist geborene Berlinerin, na ja, Spandauerin. Aber gleich nach Abschluss ihres Studiums an der FU (Publizistik und BWL) zog es sie in den Süden Berlins. Über Steglitz und Schmargendorf kam sie ins beschauliche Zehlendorf, an den Schlachtensee, der Hunde wegen. mehr…

23.04.2017

Scheibes Kolumne: 50 Jahre im Sauseschritt

Alles im Leben hat seine Zeit. Der Autor dieser Kolumne ist gerade 50 Jahre alt geworden, die Hälfte des Lebens ist also vorbei. Mitleidig fragen Freunde: Und, war‘s schlimm? Nein, es hat gar nicht wehgetan. Es ist nur ein weiterer Schritt auf der Leiter der Erkenntnis, dass man nur einmal lebt. Wenn man das aber richtig macht, dann reicht das ja auch. mehr…

22.04.2017

Nachgefragt #7: Vince Wagenknecht

Vince Wagenknecht (Foto links) und Markus Scheer haben Ende letzten Jahres ein ganz ungewöhnliches Restaurant am Teltower Damm (neben dem Bali Kino) eröffnet – das Sixteen Bites. Hier gibt es leckere Burritos mit vielen hausgemachten, frischen Zutaten. Vince Wagenknecht wohnt in Steglitz, arbeitet in Zehlendorf – und kennt sich in der Region bestens aus. mehr…

26.03.2017

Scheibes Kolumne: Heute schon geschwurbelt?

Letztens nahm mich ein ganz patent wirkender Mann beiseite und fragte mich ganz freundlich, ob mir das denn keine Sorge bereiten würde, dass wir immer noch keinen offiziellen Friedensvertrag im Lande hätten. Die Bundesrepublik Deutschland gäbe es ja eigentlich gar nicht … mehr…

26.03.2017

Nachgefragt #6: Dr. Markus Hansen

Ich bin Physiker, arbeite seit über 30 Jahren als Orthopäde und habe vor gut 12 Jahren meine orthopädische Massen-Kassenpraxis gegen eine kleine Privatpraxis eingetauscht. Es geht dabei nicht darum, nur noch Privatpatienten zu behandeln; in den letzten Jahren sind genauso viele gesetzlich Versicherte wie privat versicherte Patienten zu mir gekommen. mehr…

25.03.2017

Scheibes Kolumne: Ich habe Futterneid!

Schlechte Charaktereigenschaften gibt es zur Genüge. Der eine flucht im Auto, der andere drängelt sich in jeder Schlange vor. Manche trinken gern einen über den Durst und werden dann aggressiv. Oder sie reden zu laut, kommen einem zu nahe, sind Angeber oder popeln in der Öffentlichkeit. mehr…

25.03.2017

Nachgefragt #5: Katja Desens

Katja Desens wurde in Wuppertal geboren, hat da aber nie gelebt. Ihr Abi hat sie im Sauerland gemacht, ihr Studium der Geisteswissenschaften in Aachen (Germanistik und Anglistik) abgeschlossen. Ihr Radiovolontariat hat sie im belgischen Eupen absolviert. Von da ging es dann gleich zu 104.6 RTL nach Berlin – als Morgenmoderatorin und Redakteurin. mehr…

25.03.2017

Nachgefragt #4: Elke Brumm

Elke Brumm (auf dem Foto links) zog 1971 im Alter von vier Wochen nach Zehlendorf-Mitte. Ihren gesamten Bildungsweg von der Vorschule bis zum Magisterabschluss absolvierte sie – damals noch als Elke Moews – im Grünen Bezirk: an der Nord-Grundschule, am Schadow-Gymnasium und an der Freien Universität, wo sie Theaterwissenschaft und Neuere deutsche Literatur studierte. mehr…

02.01.2017

Scheibes Kolumne: Schule einmal ganz anders!

Letztens habe ich geträumt, ich bin wieder in der Schule. Im Werner-von-Siemens-Gymnasium in Nikolassee. Nichts hat sich im Traum geändert in den über 30 Jahren, die ich nach dem Abitur schon hinter mich gebracht habe. Nur ist bei bei meinem erneuten Schulbesuch plötzlich alles anders. mehr…

02.01.2017

Nachgefragt #3: Reinhard von Ramin

Reinhard von Ramin (74) ist gebürtiger Berliner und in Wilmersdorf aufgewachsen. Er studierte in Hamburg Volkswirtschaft und lebte zwischendurch auch in Charlottenburg, Frankfurt und München. Seit 1984 wohnt der ehemalige Unternehmensberater an verschiedenen Plätzen in Zehlendorf, mit einem zweiten Standbein in Kitzbühel und später in Cape Coral, Florida. mehr…

02.01.2017

Nachgefragt #2: Oliver Becker

Oliver Becker (44) stammt aus dem hohen Norden – er ist in Bremerhaven aufgewachsen. Seit 2014 wohnt er in Berlin am Wannsee – und hat sich hier ganz dem Thema Sicherheit verschrieben. Der Personenschützer, der bereits auf Bud Spencer aufgepasst hat, hat die becker security group gegründet, die den Wachschutz einzelner Immobilien regelt. mehr…

21.12.2016

Scheibes Kolumne: Für das leibliche Wohl ist gesorgt!

Die lokale Berichterstattung macht Journalisten, die nach Höherem streben, wirklich Bauchschmerzen. Anstatt Verschwörungen aufzudecken, die vom Kreml bis ins Weiße Haus reichen, spüren sie den ganzen Tag dem Verein der Kaninchen-Züchter hinterher, schauen kleinen Kindern bei der Show-Vorführung ihres Sportvereins zu, … mehr…

21.12.2016

Nachgefragt #1: Nero Brandenburg

Nero Brandenburg (75) war viele Jahrzehnte lang eine DER Stimmen im Berliner Radio-Äther. Seit dem Ende des RIAS am 31. Dezember 1993 befindet sich der Mann, der in der Hauptstadt alle kennt und der mit „Dingeling“ sogar einen eigenen Hitparaden-Song hatte, im Unruhestand. mehr…

21.12.2016

Scheibes Kolumne: Der Winter naht – Großalarm!

Es ist immer wieder das gleiche. Im Urlaub steht man am Strand, die glühend heiße Sonne fräst einem kleine Brandblasen auf den Rücken, das Meereswasser umspült die ins Nass getauchten Beine – und wohlig seufzt der Mann: „Ach, hier ist es schön. Für mich könnte es immer Sommer bleiben!“ mehr…

05.10.2016

Scheibes Kolumne: Einkaufen war ja früher entspannter

CarstenScheibeneuFrüher war Einkaufen ja ganz einfach. Einkaufszettel in die Hand nehmen, Artikel in den Korb legen, an der Kasse bezahlen, ab nach Hause! Das war einmal. Heute mutet ein Besuch im Supermarkt an wie eine organisierte Beschäftigungstherapie für chronisch Unterforderte mit angeschlossener Ergotherapie und inkludiertem Intelligenztest. mehr…

02.10.2016

Scheibes Kolumne: Von Klospülungen und trockenen Händen

CarstenScheibeneuEs ist ein echter Kardinalfehler von mir, jedes Mal im Kino zu diesem einen bestimmten Erfrischungsgetränk zu greifen, das aus herben Holunderbeeren hergestellt wird. Es sorgt dafür, dass meine Nieren im Kino Sonderschichten schieben und jeden Tropfen Flüssigkeit aus den Adern herauspressen. mehr…

02.10.2016

Scheibes Kolumne: Leider nicht allein im Kino!

0911 scheibeEin bis zwei Mal im Monat gehen wir Jungs ins Kino, um den neuesten Action-Film mit viel Ballerei und ohne störende Knutschszenen und Romantik zu gucken. Keine Frage: Kino ist teuer. Kommt dann noch der 3D-Effekt hinzu, könnte man sich für das Geld auch gleich die DVD kaufen. Wer sich zusätzlich noch Popcorn und eine Cola leistet, könnte mit dem Geld sogar den limitierten Director‘s Cut auf Blu-ray erwerben. mehr…

Unsere Schwestern­zeitung