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04.10.2016

Friedenau: Das Kleine Theater

Was macht eine Frau 13Das „Kleine Theater“ am Südwestkorso ist ein klassisches Kammertheater. Der aktuelle Spielplan folgt dem Motto „Biographien“ und bringt die Lebensbrüche berühmter wie auch fiktiver Figuren auf die Bühne. So werden zurzeit die Stücke „Das Bildnis des Dorian Gray“, „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ und demnächst Woody Allens „Spiel‘s noch mal, Sam“ gegeben. (ANZEIGE)

Seit zehn Jahren kümmert sich Karin Bares als Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin um das Theater. Wir fragen nach: Wie lautet Ihr Fazit der Dekade?

Karin Bares: „Wir konnten in dieser Zeit über 100.000 Zuschauer begrüßen. Das ist für ein 93-Plätze-Haus sehr viel. Bevor ich das Haus übernommen habe, hatte es kurzfristig vor dem Aus gestanden. Durch konsequente Umstrukturierung und ein gefragtes klares Konzept konnte das Ruder herumgerissen werden. Das angestammte Publikum ging nicht verloren und gleichzeitig wurden viele neue Zuschauer hinzu gewonnen, so dass wir heute sehr stabil dastehen. Die Vorstellungen sind voll und wir erhalten umfangreiche positive Rückmeldungen, sogar lange Briefe. Ich bin sehr froh, dass diese Berliner Traditionsbühne, die sich ja nun bereits im 44. Jahr befindet, erhalten geblieben ist.“

Das Spielplan-Motto lautet „Biografien“ – Was verbirgt sich dahinter?

„Da wir alle eine Biographie haben, kann jeder etwas damit verbinden. Biographien sind die erfolgreichste Sparte im Buchhandel, wie ich kürzlich gelesen habe. Mir ist wichtig, dass sich die Menschen mit dem, was auf unserer Bühne verhandelt wird, in gewisser Weise identifizieren können. Das erleichtert den Zugang, öffnet die Köpfe und Herzen und lässt Fragestellungen zu.“

Sie arbeiten ohne festes Ensemble, wie funktioniert das?

„Mit ganz wenigen Ausnahmen sind alle Stücke auf unserem Spielplan Berliner Erstaufführungen oder sogar Uraufführungen. Wie viele Berliner Bühnen arbeiten wir dabei ausschließlich mit Gästen, d.h., alle Künstler sind freischaffend. Das erfordert eine äußerst flexible Planung, da eine Vielzahl an Terminen unter einen Hut gebracht werden müssen. Dennoch hat diese Arbeitsweise auch erhebliche Vorteile, da wir punktgenau besetzen können und keine einschränkenden Verpflichtungen einem Ensemblemitglied gegenüber haben.“

Welche Unterstützung erhält Ihr Haus vom Berliner Senat?

„Bevor ich die Leitung des Theaters übernommen habe, wurden die Subventionen um die Hälfte auf 200.000 € gekürzt. Mit dem Theater in dieser Lage zu starten, war eine riesige Herausforderung. Uns ist es aber gelungen, die jährliche Anzahl an Vorstellungen zu erhalten, laufende Kosten zu reduzieren und die Auslastung dabei gleichzeitig deutlich zu steigern. Das ist ein enormer Kraftakt, aber auch ein sehr schöner Erfolg! Dieser wurde von der Senatsverwaltung gewürdigt, indem wir seit zwei Jahren 210.000 € erhalten.“

In Friedenau gibt es außer Ihrem Haus kein weiteres Theater. Ihr Publikum rekrutiert sich aber nicht nur aus Steglitzern und Wilmersdorfern?

„Nein, keinesfalls. Die Leute kommen aus der ganzen Stadt, viele auch aus dem westlichen und südlichen Umland. Außerdem sitzen inzwischen jeden Abend auch eine Menge Touristen im Saal. Da wir vor und nach der Vorstellung gerne den persönlichen Kontakt mit unseren Zuschauen pflegen, erfahren wir einiges über deren Motivationen, das Kleine Theater zu besuchen. Viele Touristen erzählen uns, dass sie „so etwas zuhause nicht haben“ und sich bei ihren Berlin-Besuchen immer wieder auf diesen besonderen Ort freuen. Außerdem begrüßen wir aufgrund unserer Themen und Stoffe auch viele Studenten und Schulklassen aus ganz Berlin.“ (Text: KT / Foto: Jörn Hartmann)

Info: Kleines Theater, Südwestkorso 64, 12161 Berlin, Tel.: 030-8212021, www.kleines-theater.de

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