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02.10.2016

Autorin aus Zehlendorf: Monika von Ramin

monika1Die Zehlendorferin Monika von Ramin schreibt unter dem Namen Nika Lubitsch spannende Thriller, die hauptsächlich als Amazon-eBooks große Erfolge feiern. Sie erzählt über sich: „Seit 62 Jahren bin ich mit beiden Beinen fest im Märkischen Sand verwurzelt. Nachdem ich mit meinen Eltern quer durch die Republik umziehen musste, wollten wir eigentlich nach Amerika auswandern.

Nur der Herzinfarkt meines Vaters verhinderte, dass ich als Kentucky Fried Chicken aufwuchs. 1966 kamen wir zurück nach Dahlem, wo ich meine Jugendjahre verbracht und später an der FU Jura studiert habe. Dann zog ich zum Savignyplatz, wo ich eine Künstleragentur betrieb. Als Berlins jüngste Theaterchefin verschlug es mich nach Kreuzberg. Ich sitze mit Leib und Magen seit 23 Jahren zusammen mit meinem Mann wieder in Zehlendorf. Mein Herz schlägt am Kudamm, wo ich viele Jahre mein PR-Büro hatte, nur meine Seele wartet auf mich auf einer Brücke in Cape Coral, Florida. Mein Kopf war meist mit dem Regierungsviertel und dem Potsdamer Platz beschäftigt, ich durfte mit meiner PR-Agentur einen Großteil des neuen Berlins vom ersten Spatenstich bis zur Einweihung betreuen. Viele werden sich z.B. an die tanzenden Kräne mit Daniel Barenboim am Potsdamer Platz erinnern. Ich bin nicht nur mit Spreewasser getauft, ich durfte auch helfen, die Spree umzubetten.“

Wir fragen: Seit wann schreibst du und wie bist du darauf gekommen, deine Bücher als eBooks zu vermarkten?

MvR: „Ich habe immer Geschichten erzählt. Mit 17 habe ich zusammen mit einer Freundin einen Kitschroman geschrieben. Der war als Satire gedacht, der Verlag hat es nicht bemerkt. Als John Lennon erschossen wurde, arbeitete ich als Promotionschefin der Meisel-Musikverlage. Noch am selben Tag begann ich meinen ersten Kriminalroman: „Backstage“, einen Krimi im Rockstar-Milieu. „Anbei Backs-Tage zurück. Wir verlegen keine Kochbücher,“ lautete eine der vielen Absagen. Erst 20 Jahre später habe ich wieder angefangen zu schreiben. Natürlich einen Kriminalroman. „Der 7. Tag“ ist die Geschichte einer Berliner PR-Frau, die des Mordes an ihrem Mann angeklagt ist. „Es ist billiger, ausländische Lizenzen zu kaufen als einen unbekannten deutschen Autor aufzubauen.“ So lauteten diesmal die Absagen der Verlage. Frustriert verbuddelte ich das Ding auf meiner Festplatte und schrieb das humorvolle Wechseljahresbuch „Mein letzter Tampon“. Dafür fand ich sofort einen Agenten und einen Verlag. Ich habe noch mehrere Bücher mit Eichborn und für Goldmann geschrieben. Dann ging Eichborn pleite und mein Agent mit meinen Honoraren auf Tauchstation. Ich war fertig mit der Buchbranche!

Im Sommer 2012 sah ich eine Werbung von Amazon, wie ein Mädchen mit dem Kindle in ihren Shorts zum Strand geht. Also habe ich meine „Short(s) Stories“ probehalber als eBook hochgeladen, die ich jahrelang zur Übung geschrieben hatte. Innerhalb von zwei Wochen habe ich 300 Stück davon verkauft. Wahnsinn! Das fand ich so toll, dass ich meinen Roman „Der 7. Tag“ aus den Tiefen meiner Festplatte gezuppelt, abgestaubt und am 12. August 2012 hochgeladen habe. Am 20. August 2012 stand das Buch das erste Mal auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste und hielt sich dort fast fünf Monate.“

Der Erfolg deiner Bücher ist gigantisch. Kannst du Zahlen nennen?

MvR: „Bis heute habe ich allein von „Der 7. Tag“ mehr als 350.000 eBooks auf Deutsch verkauft, und Lizenzen in viele Länder vergeben. Am 1. September beginnt Oliver Berben mit den Dreharbeiten für das ZDF in Berlin. Insgesamt haben meine selbstpublizierten eBooks (www.nikalubitsch.de) über 650.000 Leser gefunden.“

Deine Romane spielen oft an Orten, an denen du selbst gewesen bist und zu denen du auch einen Bezug hast. Gibt es auch Zehlendorf-Romane?

MvR: „Fast alle meine Romane spielen in Berlin, meine Helden sind Zehlendorfer. Sie kaufen in Zehlendorfer Geschäften ein und speisen in den Restaurants, in die ich selbst essen gehe.“

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Aus welchem Genre stammen deine Bücher und warum haben sie immer Zahlen im Titel?

MvR: „Kein Mensch merkt sich einen Autorennamen, den man nur beim Download sieht. Die großen roten Zahlen im Titel haben einen hohen Wiedererkennungswert. Diese Bücher sind Psychothriller. Dazu gibt es noch meine klassische Detektivserie, die Kudamm-216-Krimis.“

Gibts die Bücher auch gedruckt?

MvR: „Ein Teil der Bücher wird vom mvg-Verlag vertrieben, „Der 1. Mann“ ist von Tolino verlegt worden, der Rest ist exklusiv bei amazon als Taschenbuch erhältlich.“

Welches Buch ist aktuell, das wie vielte ist es, und worum geht es?

MvR: „Das neueste Buch, das jetzt in allen Shops erhältlich ist, heißt „Mord auf Seite 3“ und spielt in Berlin und im brandenburgischen Gröben. Es geht um eine Journalistin, die über die Opfer eines Kindermörders schreibt und sich plötzlich selbst im Visier eines Serienkillers befindet.“

Woran schreibst du gerade?

MvR: „Nachdem mein soeben exklusiv bei Amazon erschienenes Buch „Der 6. Geburtstag“ nur in den USA spielt, führt das 17. Buch wieder zurück zum Mexikoplatz. Es wird entweder eine 8 oder eine 10 im Titel haben.“

(Text:CS/Foto: Mathias Neumann)

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