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02.08.2016

Theater-Premiere: Honig im Kopf

honigimkopfDer Kinofilm „Honig im Kopf“ liegt seit Monaten in meiner iTunes-Bibliothek – und wartet darauf, gesehen zu werden. Ich gebe es zu: Ich habe mich an das erfolgreiche Kinowerk mit Til Schweiger und Dieter Hallervorden noch nicht herangetraut. Zu schwer wiegt das Thema Alzheimer, zu wichtig scheint es auch, als dass man den Film „nebenbei“ wegschauen könnte.

Umso schöner ist es nun aber, die Bühnenfassung von „Honig im Kopf“ völlig unvoreingenommen sehen zu können, die ausgerechnet an Hallervordens Schlosspark Theater in Steglitz ihre Premiere feierte – am 18. Juni, um genau zu sein. Das Stück wird noch geraume Zeit in Steglitz zu sehen sein, bevor es an zwei weiteren Theatern im deutschen Raum gespielt wird. Die Bühnenfassung stammt von Florian Battermann in einer Bearbeitung von René Heinersdorff, basierend auf dem Drehbuch von Hilly Martinek und Til Schweiger.

Auch auf der Bühne geht es um Opa Amandus (Achim Wolff), der nach dem Tod seiner Frau zunehmend abbaut und immer vergesslicher und schusseliger wird, bis er nicht mehr Zuhause wohnen bleiben kann. Und zu seinem Sohn Niko (Karsten Speck) zieht. Der versucht die Alzheimer-Erkrankung des Vaters herunterzuspielen, aber seine Frau Sarah (Astrid Kohrs) leidet zunehmend unter dem merkwürdigen Verhalten des Oldtimers. Nur Enkelin Tilda (Nastassja Revvo) hat einen besonderen Draht zum Opa. Sie möchte ihren Opa noch einmal wachrütteln, ihn geistig beschäftigen – und reißt mit ihm aus, um nach Venedig zu reisen. Von Venedig spricht der Amandus nämlich immer.

Der Kinostreifen war der besucherstärkste Film des Jahres, er hat den CIVIS Kinopreis für europäische Spielfilme bekommen. Dieter Hallervorden hat für seine Darstellung des Amandus den Bambi und den Ernst-Lubitsch-Preis erhalten. Wie kann man das auf die Bühne bringen? Nun, mit einem einfühlsamen Schauspiel.

Die Theaterversion reduziert sich komplett auf die vier Personen des Stücks. Die Kulissen bestehen nur aus allereinfachsten Requisiten, die von den Schauspielern selbst wie Kulissenschieber während des Spielens ab- und neu aufgebaut werden. Ein paar Stühle werden hier zum Auto, Venedig muss man sich ebenso vorstellen wie die Küche, in der der Opa den Kuchen im Ofen vergisst.

So konzentriert sich der Zuschauer im recht kurzen Stück ganz auf die Akteure. Einfühlsam, tragisch, mitleiderregend, dramatisch, tiefsinnig, traurig und erschreckend wird der geistige Verfall des armen Opas beschrieben, der es nur gut meint, alles falsch macht, sich an nichts erinnern kann und am Ende alles vergisst – auch die, die ihn am meisten lieb haben.

Um diesen Verfall, der da auf der Bühne gelebt wird, ertragen zu können, nutzt das Stück einen fantastischen Wortwitz, der sich in den akribisch herausgearbeiteten Dialogen zeigt. Hier bringt das Stück den Humor auf, der nötig ist, um dem schweren Thema ein paar leichte Füße zu verleihen. Der Zuschauer freut sich über diese gelungenen Scherze, weil ein amüsiertes Schmunzeln doch ein wenig vom Herzschmerz nimmt, der einem beim Stück befällt: Alzheimer ist eben ein ernstes Thema und man möchte das Schicksal des Amandus weder am eigenen Leib noch in der Verwandschaft nacherleben müssen.

Der Applaus, der nach dem Schlussvorhang ertönt, zeigt: Das Stück hat die gleiche Kraft wie der Film. Auch auf der Bühne funktioniert die Geschichte. Sie ist auch nicht an die Gesichter von Schweiger und Hallervorden gebunden.
Und jetzt, mit einigem Abstand zum Theaterstück, werde ich mir endlich auch den Kinofilm ansehen. Zeit dafür wird es. (Text: CS / Foto: DERDEHMEL/Urbschat)

Info: Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, 12165 Berlin, Tel.: 030 – 789 56 67 – 100, www.schlosspark-theater.de

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